Der Große Feldklappenschrank im Wehrtechnikmuseum

Der Große Feldklappenschrank

Klappenschränke wurden vor der Automatisierung des Fernsprechnetztes für die manuelle Vermittlung von Ferngesprächen benutzt.

Dieser nach dem Baukastenprinzip aufgebaute Große Feldklappenschrank wurde bereits im 1. Weltkrieg konzipiert und ab 1916 bei der Kaiserlichen Armee zur Einrichtung mittlerer und größerer Telefonvermittlungen im militärischen Einsatz verwendet.

Er besteht aus einer Vielzahl von leicht zu transportierenden Bauteilen und ist nicht auf eine bestimmte Teilnehmerzahl begrenzt. Die Anlage besteht pro Arbeitsplatz aus einem zusammenlegbaren eisernen Tischgestell, dem Untersatz aus zwei für den Transport zusammenlegbaren Teilen, von denen der eine die Schnurpaare für das Herstellen von Verbindungen enthält, Abfragekästen mit je zehn Anrufklappen und zehn Abfrageklinken, Vielfachfelder mit 150 Klinken und weitere Aufsatzkästen. Über 30paarige Kabel mit Vielfachsteckern kann eine praktisch unbegrenzte Zahl von Arbeitsplätzen aneinandergereiht werden. Dazu wird noch der zusätzliche Feldklinkenumschalter für schnelle Umschaltung der Leitungen von einem Arbeitsplatz zum anderen, für Kunstschaltungen und für Mess- und Prüfzwecke mit dem Feldprüfschrank benötigt.

Die Anlage im Wehrtechnikmuseum in Röthenbach/Pegnitz entspricht dem im 2. Weltkrieg eingesetzten Entwicklungsstand. Neben fünf Arbeitsplätzen zu je 30 Leitungen zur Vermittlung von Gesprächen, dem Feldklinkenschalter, gehören außerdem ein Fernplatz für Herstellung von Fernverbindungen und der Platz des Leiters der Fernsprechvermittlung mit dem Überwachungsschrank zur Beobachtung des Betriebspersonals und zum Eingreifen bei fehlerhaften Verbindungen sowie auch der fallweise in Sprechverbindungen einzuschaltende Inverter zur Sprachverzerrung als Abhörsicherung.

Ergänzt wird der Große Feldklappenschrank durch einen Abspannbock, an den die Außenleitungen (überwiegend Fernleitungen) herangeführt werden und den sich anschließenden Feldhauptverteiler, an den alle Fern- und Teilnehmerleitungen über Blitzschutzsätze angeschlossen sind, dort mit dem ebenfalls ausgestellten Feldprüfschrank geprüft und zu den einzelnen Arbeitsplätzen der Vermittlung wahlweise geschaltet werden können.

Diese umfangreiche und heute einzigartige Vermittlung ist sehr beengt zwischen zahlreichen anderen Fernmeldeanlagen und Kleinvermittlungen untergebracht und verteilt sich mit den Peripheriegeräten auf drei Räume.

Der Umfang der ausgestellten Anlage mit fünf Verbindungsplätzen entsprach einem Einsatz bei einem Armeeoberkommando. Die Telefonvermittlung im Führerhauptquartier Wolfsschanze war mit 18 Arbeitsplätzen ausgestattet. Da heute nichts mehr Vergleichbares in einem Museum zu finden ist, haben die Requisiteure für den Stauffenbergfilm von Tom Cruise übrigens den Mitgründer des Museums, Axel Schamfuß, und auch Leihgeber dieser Vermittlung in zähen Verhandlungen überredet, sämtliche Bauteile für „Operation Walküre“ in einer eigens für den Film errichteten Baracke mitten im Wald bei Halbe - 40 km südlich von Berlin - aufbauen zu lassen. Im Film ist der Große Feldklappenschrank etwa 2,6 Sekunden lang mit einem winzigen Ausschnitt zu sehen. Informativer ist daher ein Besuch im Wehrtechnikmuseum in Röthenbach/Pegnitz.

Sie können das Ausstellungsstück des Monats zu den regulären Öffnungszeiten des Wehrtechnikmuseums besichtigen.





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